RL (Restless Legs) ist ein Syndrom, dessen Auswirkungen auf Betroffene, nicht zuletzt der relativ späten Aufnahme in das ‘Krankheitsregister der westlichen Medizin’ wegen, selbst an medizinischen Pionier-Standorten wie Berlin, meist nur stiefmütterlich erforscht werden. Fast logisch erscheint es, dass eine entsprechende Infrastruktur auf dem Land weiter an Motivation, Qualität und Anspruch einbüßt.

Umso mehr freuen sich die Mitglieder, dass es seit September 2020 eine erste lokale Austauschgruppe des RLS e.V. gibt. Das Ziel der Gruppe #RLSGoslar ist, einen nachhaltigen, inklusiven, stets aktuellen Austausch zu forcieren und dadurch Menschen mit RLS zu helfen. Dafür lädt die Gruppe #RLSGoslar jeden Interessierten nicht nur zu einem physischen, sondern unter rls.mailchimpsites.com auch zu einem digitalen Austausch ein.

Das erste Treffen fand am 23.10.2020 in Goslar statt. Vier der bereits fünf registrierten RLS e.V. Mitglieder waren dabei. Natürlich wurden die aktuellen Covid-Maßnahmen erfüllt. Es war ein schöner Nachmittag, der die Dringlichkeit einer solchen Gruppe weiter unterstrichen hat: Direkt das erste Kennenlernen war sehr vertraulich, offen und tränenreich. Folglich planen die Teilnehmer, sich regelmäßig zu treffen und sich weiter über eine Whatsapp-Gruppe zu verbinden, um sich unkompliziert zu den relevanten Themen auszutauschen.

Menschen, die ein starkes RLSyndrom haben, die rational keine realistische oder angenehme Zukunft mehr im Kopf konstruieren können, sind täglicher und ‚nächtlicher‘ Folter, und damit jeden folgenden Tag, post-traumatischen Depressionen ausgesetzt, die wenig Raum für Positivität lassen können. In einem ist die Gruppe sich hier sicher: Jeder im Raum akzeptiert dieses ‘Leben ohne richtige Zukunft‘. Das macht dem Empfinden der Teilnehmer nach, den emotionalen Umgang mit den Auswirkungen der Covid-19 Pandemie auf die Psyche sogar subjektiv etwas einfacher. A) Das jahrelang, erlernte Leben, in oft selbst gewählter Isolation, durch die Auswirkungen der täglichen Schmerzen und Medikamente, B) der möglichst akzeptierende Umgang damit, der bspw. ‚Social Distancing‘ intrinsisch erzwingt, C) das Begreifen, dass der eigene soziale und geografische Radius konstant immer kleiner wird, führen dazu, dass bspw. die jüngste Person der #RLSGoslar Gruppe sogar meint, dass sich seit dem ersten Lockdown, neben dem grausamen Leiden überall, für einen selber, bisher, wenn man ehrlich sei, nichts geändert hätte: „Als RLS Patient lebe ich ehrlicherweise immer im Lockdown — allerdings nicht von der Regierung angeregt, sondern vom eigenen Körper und dem eigenen Energielevel erzwungen.“

Da sich #RLSGoslar als offene Austauschgruppe betrachtet, sind natürlich auch Menschen eingeladen, die existenzielle, scheinbar unlösbare Probleme und nie enden wollende Herausforderungen meistern müssen. Eine Unterstützung des Vereins RLS eV, kommunikativ oder monetär, wird dabei stark wertgeschätzt, ist aber natürlich optional. Interessierte können sich unter rls.mailchimpsites.com im Internet an dem #RLSGoslar Newsletter anmelden und auch an folgenden Treffen teilnehmen.

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